Lesbisch is Happening?

Die Veranstaltung zum folgenden Bericht liegt zwar schon einige Tage zurück, doch wollen wir euch unsere Sicht der Dinge darauf nicht vorenthalten – zumal es einen kritischen Beitrag auf dem Blog des Gender-Happening dazu gibt, den ihr hier nachlesen könnt.

Am 7.7.09 haben wir  das Burlebübele auf dem „Gender is Happening“ des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung gezeigt und diskutiert. Mit dabei waren dieses Mal Ursula Sillge (Lila Archiv) und Christiane Härdel und Imma Harms (Moderation).

Podiumsdiskussion mit Moderatorin Imma Harms (Mitte)

Podiumsdiskussion mit v.l.n.r.: Luka Stoll, Ursula Sillge, Imma Harms (Moderation), Anke Schwarz und Christiane Härdel

Christiane Härdel war schon früh in der aufbrechenden Studierendenrevolte in West-Berlin aktiv, organisierte sich dann relativ schnell in der entstehenden Frauenbewegung und gelangte über diesen Weg zur Lesbenbewegung. Sie lernte Cristina Perincioli im Jahr 1968 im Republikanischen Club kennen und beide Frauen organisierten später zusammen mit Anderen das Lesbische Aktionszentrum (LAZ). Interessant hierbei ist, dass Christiane Härdel über das Frauenzentrum zum LAZ gelangte, wohingegen Cristina Perincioli relativ früh von der Lesbenbewegung zum Frauenzentrum wechselte. Ungefähr Mitte der 80er zog sich Christiane Härdel weitestgehend aus der politischen Aktivität zurück, um sich auf ihr Medizinstudium zu konzentrieren.

Die anschließende Diskussion zur Filmvorführung beim „Gender-is-Happening“ wurde weniger als Erzählcafé, als vielmehr für Einschätzungen zur heutigen feministischen und lesbischen Bewegung genutzt. Relativ schnell angemerkt wurde, dass es eine Organisierung, die sich explizit als lesbisch definiert, nicht mehr gibt. Wie schon in den 70ern am Anfang der Frauenbewegung, engagieren sich heute viele Lesben in Gruppen, die nicht explizit oder ausschließlich ihre eigenen Belange und Zielsetzungen verfolgen. Heute ist es die Queerbewegung, welche lesbische und systemkritische Politik durch ihre radikale Dekonstruktion der Geschlechter zwar mit verfolgt. Doch stellt sich hierbei die Frage, ob Lesben durch häufige sprachliche Aussparung, welche sicher in einem gut gemeinten Sinne von Dekonstruktion begründet wird, nicht weiterhin unsichtbar bleiben, bevor das Wort „lesbisch“ überhaupt in einem positiven Sinn selbstverständlich verwendet worden ist? Hinter dem Begriff „queer“ verschwinden die vielen politisch aktiven Lesben womöglich genauso, wie einst zu Gründungszeiten der ersten Frauenprojekte. Ein sich aufdrängendes Beispiel für diese Annahme ist das Programm des „Gender is Happening“, in dem bei über 70 geplanten Veranstaltungen lediglich in der Ankündigung des „Burlebübeles“ das Wort „lesbisch“ erwähnt wird, obwohl der Bezug zu 40 Jahren Stonewall einen Grundpfeiler der Veranstaltungswoche bildet.

Vorbereitungstreffen mit Imma Harms (li.) und Christiane Härdel (re.)

Vorbereitungstreffen mit Imma Harms (li.) und Christiane Härdel (re.)

Weiterhin diskutierten wir die aktuelle Landschaft der Lesbenräume in Berlin. Hierbei bemerkten vor allem die älteren Anwesenden einen bedauerlich starken Rückgang der einst erkämpften und aufgebauten Strukturen, wohingegen das jüngere Publikum sich ganz gut aufgehoben und informiert wußte. Bemerkenswert ist jedoch, dass auch diese Räume häufig, wieder oder immer noch verteidigt werden müssen. Immer wieder müssen sich Frauen erklären, warum sie FrauenLesben(Trans) – Veranstaltungen durchführen, zu denen Biomänner keinen Zutritt haben.

Vielleicht hat sich seit den 1970ern in puncto Frauenräume doch nicht so viel verändert, wie Cristina Perincioli im „Burlebübele“ einschätzt: „Jeder Mann, der damals nicht ins Plenum rein konnte, der hat uns gleich beschimpft als Lesben. […] Heute kann man sich das vielleicht nicht vorstellen, da sagt ein Mann – ‚Frauengruppe, versteh ich, geh‘ ich meiner Wege‘. Das war damals nicht möglich für’n Mann. Der musste da rein.“ Es gibt viel zu tun…

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